BQ 903 – 8/2026
Zwei mit dem Internationalen Institut für Religionsfreiheit verbundene Forscher erhalten Auszeichnungen

Neue Forschungspreise zu Religionsfreiheit und Christenverfolgung

(Bonn, 10.02.2026) Zwei mit dem IIRF verbundene Autoren und Absolventen, die unter der Leitung des IIRF-Mitbegründers und derzeitigen Seniorberater Prof. Dr. Christof Sauer studiert oder geforscht haben, wurden vom Lehrstuhl für Reli­gionsfreiheit und Politische Ethik der Freien Theologischen Hochschule Gie­ßen (FTH) in Deutschland ausgezeich­net.

Dr. James Bultema erhielt für seine Doktorarbeit „Frei genug um zu wach­sen: Die türkische protestantische Be­wegung, 1961–2016“ den mit 1.000 Euro dotierten „Förderpreis Wissen­schaft/Publizistik/Projekte“. Die Disser­tation entstand von 2020 bis 2024 an der Evangelisch-Theologischen Fakul­tät Leuven in Belgien im Fachbereich Religionswissenschaft und Missions­wissenschaft in Zusammenarbeit mit dem dortigen Institute for the Study of Freedom of Religion or Belief (ISFORB).

Dr. Meiken Buchholz, Dozentin für Missionswissenschaft an der FTH, lobte Bultemas Arbeit dafür, dass sie zeige, wie türkische Christen, die vom Islam konvertiert sind, mutig die ihnen zur Verfügung stehenden Räume der Religionsfreiheit genutzt haben, um eine neue Identität zu beanspruchen.

Bultema kündigte an, dass seine Dissertation im Juni 2026 von Springer im Open Access veröffentlicht werde. Das Preisgeld werde er für die Finanzierung eines Folgebandes verwenden, der sich mit den Jahren bis heute befassen soll, in denen die Religionsfreiheit zwar zurückgegangen, die Kirche aber dennoch weiter ge­wachsen sei.

Laut Ausschreibung wird dieser Preis „herausragende wissenschaftliche Arbeiten (v. a. in christlicher Theologie), journalistische Beiträge oder Projekte“ vergeben.

Bultema hat aus seiner Forschung im International Journal for Religious Freedom einen Artikel mit dem Titel „An unwanted child: Secularism, religious freedom, and the Turkish Protestant Church“ (IJRF 13/2020) und einige weitere in anderen Publika­tionen veröffentlicht.

Volker Kauder, Sina Hartert, Dr. Carsten Polanz © FTH Giessen/Timo Lotter

Sina Hartert erhielt den mit 500 Euro dotierten „Nachwuchspreis“ für ihre Bachelor­arbeit im Fach Journalismus zum Thema „Berichterstattung über Christenverfolgung“, die 2023 an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt angenommen wurde. Der FTH-Dozent für Islam­wissenschaft Dr. Carsten Polanz lobte sie für ihre differenzierte Bewertung der Berichterstattung über die Verfolgung von Chris­ten im 21. Jahrhundert in deutschen Print- und On­line-Redaktionen anhand von vier Zeitungen. Sie deckte Gründe für das mangelnde Bewusstsein und die Grenzen der Be­richterstattung auf, indem sie umfangreiche Exper­teninterviews mit Sauer als Maßstab heranzog und ihre Forschungsergebnisse entsprechend seinem Feedback verfeinerte. Ihre Arbeit wurde in den IIRF Reports sowohl in englischer als auch in deutscher Sprache veröffentlicht. Bei der Preisverleihung rief Hartert zu einem ökumenischen Ansatz im Umgang mit dem Martyrium von Christen auf und forderte ihre Zuhörer auf, dafür zu beten, dass Journalisten ein persönliches Verständnis von Religion entwickeln. Hartert arbeitet derzeit als Journalistin für die deutsche katholische Wochenzeitung Die Tagespost, die ausführlich über die Leistungen ihrer Forschung berichtete.

Ein dritter Preisträger war der Direktor von Open Doors Deutschland, Markus Rode, der für sein Lebenswerk als Sprecher für verfolgte Christen geehrt wurde. Es ist das erste Mal, dass diese Auszeichnungen vom Lehrstuhl für Religionsfreiheit und Politische Ethik an der Theologischen Hochschule Gießen in Deutschland vergeben wurden. Der derzeitige Lehrstuhlinhaber, Honorarprofessor Volker Kauder, MdB a. D. und ehemaliger Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU Bundestagsfraktion, der das Thema im deutschen Bundestag unermüdlich angesprochen hatte, erklärte bei der Preisverleihung im Blick auf Christenverfolgung: Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Handlungsproblem.

Die drei Preisträger Bultema, Hartert und Markus Rode © FTH Giessen/Timo Lotter

Der internationale Direktor des IIRF, Prof. Dr. Dennis Petri, gratulierte Sauer zu der Anerkennung seiner Schützlinge und den Früchten seiner jahrzehntelangen Supervision und Begleitung. Sauer war von 2017 bis 2022 der erste Inhaber der Professur für Religionsfreiheit und Erforschung der Christenverfolgung an der Freien Theologischen Hochschule Gießen, und die ausgezeichneten Arbeiten entstanden größtenteils während seiner Amtszeit dort. Sauer ist seit 2014 auch Gastprofessor an der ETF Leuven und seit 2011 außerordentlicher Professor an der Universität Stellenbosch University in Südafrika. Er lebt im Vorruhestand in Augsburg und konzentriert sich auf die Förderung von Forschernachwuchs im Bereich Religions­freiheit und auf eigene Veröffentlichungen. Das IIRF hatte die Förderpreise inter­national beworben.

IIRF-Direktor Dr. Petri arbeitet mit Kauder und Polanz an der Herausgabe eines Sammelbandes mit dem Titel „Religionsfreiheit in einer sich wandelnden Welt: Normative Grundlagen, globale Realitäten und neue Herausforderungen“, der im März 2026 erscheinen soll und auf einem Symposium an der Theologischen Hochschule Gießen basiert, das Anfang dieses Jahres stattfand und zu dem mehrere Mitarbeiter und Partner des IIRF Beiträge geleistet haben.

Das Internationale Institut für Religionsfreiheit (IIRF) wurde 2005 mit dem Ziel gegründet, die Religionsfreiheit für alle Glaubensrichtungen aus akademischer Perspektive zu fördern. Das IIRF ist weltweit präsent und hat akademische und Advocacy-Partner auf allen Kontinenten. Das IIRF ist auch eine Plattform für alle Wissenschaftler, die sich für Religionsfreiheit interessieren.

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