BQ 905 – 10/2026
Schirrmacher gratuliert der Stiftung Pro Oriente zur Verleihung des Klaus-Hemmerle-Preises im Aachener Dom

(Bonn, 24.02.2026) In einem feierlichen Festakt im Aachener Dom wurde die Wiener Stiftung Pro Oriente mit dem nach dem verstorbenen Bischof von Aachen benannten und alle zwei Jahre vergebenen Klaus-Hemmerle-Preis der Fokolar-Bewegung ausgezeichnet. Deswegen begrüßte der Hausherr und Nachfolger Hemmerles, Bischof Dr. Helmut Dieser, die Gäste aufs Wärmste. Die Ehrung würdigt den jahrzehntelangen Einsatz der Stiftung für die Ver­ständigung zwischen der römisch-katholischen Kir­che und den östlich-ortho­doxen sowie orientalisch-orthodoxen Kirchen.

Vor hochrangigen Gästen aus Kirche und Politik wurde die Organisation als unverzichtbarer Akteur für den Frieden in Europa und im Nahen Osten gewür­digt. Ein Höhepunkt war das von einem Vertreter der Staatskanzlei verlesene Grußwort von Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Die musikalische Gestaltung geschah zum wiederholten Mal durch das klassische Ensemble UNI-SUONO Hamburg.

Der Laudator, Erzbischof Job Getcha, Metropolit von Pisidien (in der Türkei), ist mit Kurienkardinal Kurt Koch Co-Vorsitzender der Gemeinsamen Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der römisch-katholischen Kirche und der orthodoxen Kirche. Er bezeichnete die Stiftung in seiner Laudatio als einen „Leuchtturm des theologischen Dialogs“. Er hob hervor, dass Pro Oriente weit mehr leiste als rein akademischen Austausch. Besonders beeindruckt zeigte sich der Erzbischof vom Engagement der Stiftung für die junge Generation. Durch ökumenische Workshops und Foren trage die Stiftung dazu bei, gerade in Krisenregionen wie der Ukraine oder dem Nahen Osten „die Verzweiflung und Zersplitterung in Hoffnung, Zugehörigkeitsgefühl und ein gemeinsames Engagement für das Gemeinwohl umzuwandeln“.

Der Bischof von Aachen Dr. Helmut Dieser und Thomas Schirrmacher bewundern den Preis © IIRF/Martin Warnecke

Der Präsident der Stiftung Pro Oriente, Clemens Koja, nahm die Auszeichnung mit Dank entgegen. Er betonte, dass der Preis nicht nur eine Rückschau auf Geleistetes sei, sondern vor allem ein „Ansporn, den eingeschla­genen Weg weiterzugehen“. Besonders am Herzen liege ihm dabei die Arbeit mit jungen Menschen im Osten und Westen. Die Aus­zeichnung ermutige dazu, „Räume des Dialogs zu öffnen, wo sichtbare oder unsichtbare Grenzen Men­schen aus den verschie­denen Kir­chen daran hindern, ein­ander als Schwestern und Brüder im Glauben wahrzu­nehmen“, so Koja in seiner Dankesrede.

Neben Koja wurde die Stiftung ver­treten durch seinen Vorgänger im Prä­sidentenamt, Alfons Kloss, den Gene­ralsekretär Bernd Mussinghoff und die Projektkoordinatorin Vio-la Raheb.

Die Fokolar-Bewegung gehört zu den neuen geistlichen Aufbrüchen, die in den letzten 80 Jahren in den christ­lichen Kirchen entstanden sind. Ihre Ur­sprünge gehen auf das Jahr 1943 in Trient zurück. Mittlerweile ist sie in mehr als 180 Ländern der Welt vertre­ten. Ihr Ziel ist, den Geist der Einheit und Geschwisterlichkeit verstärkt in Kir­che und Gesellschaft und in alle Berei­che des menschlichen Lebens hinein­zutragen.

Neben einem verlesenen Grußwort der Präsidentin der Fokolar-Bewegung Dr. Marga-ret Karam wurde die Bewegung durch die Delegierten für die vier deutschsprachigen Länder, Dr. Ursula Schmidt und Roberto Rossi Schmidt aus Wien, vertreten. Unter den Gästen der Preisverleihung befand sich auch der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl, der die Verbundenheit der österreichischen Kirche mit der 1964 von Kardinal Franz König gegründeten Stiftung unterstrich.

Der Klaus-Hemmerle-Preis erinnert an den 1994 verstorbenen Aachener Bischof, der als leidenschaftlicher Brückenbauer zwischen Religionen und Weltanschauungen galt. Bisherige Preisträger waren unter anderen der Ökumenische Patriarch Bartholo­maios I. von Konstantinopel (2008), die Lepraärztin Ruth Pfau (2014), die muslimische AIDS-Ärztin Noorjehan Abdul Majid aus Mosambik (2016) und der inzwischen verstorbene frühere deutsche Landesrabbiner Henry Brandt (2018). Im Jahr 2020 wurde das im vorigen Jahr verstorbene frühere Oberhaupt der Orthodoxen Kirche Albaniens, Erzbischof Anastasios (Yannoulatos) ausgezeichnet, 2022 die ehemalige polnische Ministerpräsidentin Hannah Suchocka und zuletzt 2024 der kanadisch-tschechische Kurienkardinal Michael Czerny.

Schirrmacher hatte bereits früheren Preisträgern jeweils im Aachener Dom gratuliert.

Die kirchliche Stiftung Pro Oriente wurde während des Zweiten Vatikanischen Konzils 1964 vom damaligen Wiener Erzbischof Kardinal Franz König gegründet. Ihr Schwer­punkt liegt den Angaben zufolge auf der Förderung der Zusammenarbeit zwischen den östlichen und westlichen Kirchen. Pro Oriente habe immer wieder starke Impulse zu Versöhnungsprozessen in verschiedenen Regionen der Welt gegeben, hieß es von der Fokolar-Bewegung. Besonders beeindruckt habe ihr gesamtgesellschaftlicher Bei­trag für Verständigung und Kooperation, gerade auch im Hinblick auf die nach­folgenden Generationen.

Downloads und Links

  • Foto 1: Die Hauptakteure der Preisverleihung © IIRF/Martin Warnecke
  • Foto 2: Der Bischof von Aachen Dr. Helmut Dieser und Thomas Schirrmacher bewundern den Preis © IIRF/Martin Warnecke
  • Bischof Schirrmacher gratuliert Kardinal Czerny“: https://thomasschirrmacher.info/?p=22168
  • Erzbischof Anastasios ist einer der bedeutendsten Missions- und Religionswissenschaftler – Schirrmacher gratuliert seinem ‚väterlichen Freund‘ zum Hemmerle-Preis“: https://thomasschirrmacher.info/?p=16000
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