Thomas Schirrmacher begrüßt, dass die Jubiläums-Ausgabe des UBS Greek New Testament die allgemeinen Briefe des NT vor den Paulusbriefen einordnet
(Bonn, 06.05.2026) Die von der United Bible Society herausgegebene Ausgabe des Grundtextes des Neuen Testaments erschien erstmals 1966. In diesem Jahr feiert sie somit ihr 60-jähriges Jubiläum und bringt dem Leser einige überraschende Änderungen, die in der jüngsten Ausgabe des Magazins Themelios als „die bedeutendste Aktualisierung der UBS-Ausgabe seit fünfzig Jahren“ bezeichnet werden.
Weiter schreibt Peter J. Gurry in Themelios: „Die größte Veränderung betrifft nicht die Ausgabe selbst, sondern das Team, das für sie verantwortlich ist. … Meines Wissens nach sind damit Mitglieder aus protestantischen (anglikanischen und lutherischen), orthodoxen und römisch-katholischen Kirchen vertreten.“ Neben zahlreichen Änderungen unter anderem in der Darstellung des Textes sowie im Textapparat ist die auffälligste Neuerung wohl die Neuanordnung der neutestamentlichen Schriften.
Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher schreibt dazu: „In den meisten modernen Ausgaben steht das Neue Testament in dieser Reihenfolge: Evangelien, Apostelgeschichte, Paulusbriefe, katholische Briefe und Offenbarung. Das ist die bekannte Reihenfolge vieler Bibelausgaben im westlichen Raum und wirkt heute ‚normal‘, ist aber historisch nicht die einzige. Spätestens seit dem Beginn des fünften Jahrhunderts folgte die Westkirche im Wesentlichen der von Athanasius bestätigten Kanonordnung.
Die sechste Ausgabe der UBS orientiert sich jedoch an der Reihenfolge, die uns in vielen alten griechischen Handschriften begegnet, z. B. im Codex Vaticanus oder im Codex Alexandrinus: Nach den Evangelien und der Apostelgeschichte folgen zuerst die katholischen Briefe, dann die Paulusbriefe mit dem für paulinisch gehaltenen Hebärerbrief, und zuletzt die Offenbarung. Die alte griechische Ordnung ist nicht willkürlich, sondern spiegelt die Überlieferungstradition bzw. Überzeugung wider, dass die ‚allgemeinen‘ oder ‚katholischen‘ Briefe – also die sieben Briefe von Jakobus, Petrus, Johannes und Judas – den Evangelien und der Jesustradition näher stehen, so dass sie in vielen Handschriften gemeinsam überliefert werden. Die Paulusbriefe rücken dadurch hinter diese Sammlung.
Die orthodoxen und die altorientalischen Kirchen haben die griechische Reihenfolge in den modernen Übersetzungen des NT beibehalten. Dazu gehören insbesondere die griechisch-orthodoxe und die syrische sowie die koptische Überlieferung. Nur die modernen russischen Übersetzungen sind teilweise nach der griechischen und teilweise nach der lateinischen Tradition geordnet.“
Schirrmacher befürwortet diese Änderung, weil „die griechischen Manuskripte nun einmal die Grundlage des UBS sind – warum dann nicht deren Reihenfolge wählen, sondern die der lateinischen Kirche? Zudem ist das UBS längst ein ökumenisches Projekt, an dem also auch Griechen, Kopten, Syrer usw. mitarbeiten. Und inhaltlich macht die Sache auch für Bibeltreue Sinn, da davon ausgegangen wird, dass die Briefe von Jakobus, Judas und Petrus Briefe der Jerusalemer Kirche sind und die Briefnamen die echten Autoren bezeichnen, und deswegen zwischen Evangelien und Paulusbriefe gehören, nur die Apostelgeschichte ist dann sowohl mit den Evangelien und der Jerusalemer Kirche, als auch mit Paulus verbunden und folgt direkt nach den Evangelien.“
Downloads und Links
- Themeliios Volume 51 – Issue 1: „The Greek New Testament, 6th Revised Edition“ reviewed by Peter J. Gurry: https://www.thegospelcoalition.org/?p=666218
- Deutsche Bibel Gesellschaft – The Sixth Edition of the Greek New Testament (UBS6): https://die-bibel.de/en/the-sixth-edition-of-the-greek-new-testament-ubs6