BQ 914 – 19/2026
FIUC in Oslo stellt Anthologie zu theologischen Perspektiven auf religiöse Verfolgung vor

(Bonn, 24.03.2026) Die Vorstellung der Anthologie fand im Rahmen des Symposiums „Religiöse Verfolgung und theologisch-missiologische Ausbildung“ am Fjellhaug Inter­national University College (FIUC) in Oslo statt, das gemeinsam mit dem Internatio­nalen Institut für Religions­freiheit (IIRF) organisiert wurde. Die Veranstaltung ging aus dem Forschungs­projekt „Religionsfreiheit und religiöse Verfolgung“ des FIUC hervor und war eine von drei großen For­schungskonferenzen, de­ren Ergebnisse in einen neuen Sammelband ein­flossen, der sich mit der theologischen Lehre zur Verfolgung und der mis­sionarischen Praxis be­fasst. Die Anthologie wur­de von den beiden He­rausgebern Prof. Dr. Ro­bert Lilleaasen und Prof. Dr. Christof Sauer in Anwesenheit der meisten Autoren sowie des deutschen Ver­legers Prof. Dr. Thomas Schirrmacher vom Verlag für Kultur und Wissenschaft (VKW) vorgestellt. Der Sammelband untersucht die theologischen und missiologischen Dimensionen religiöser Verfolgung. „Religious Persecution: Perspectives from Theology and Missiology“ ist als Druckausgabe erhältlich und steht als kostenloser Download zur Verfügung.

Die von Professor Robert Lilleaasen und Professor Christof Sauer herausgegebene Anthologie vereint Beiträge von Wissenschaftlern aus neun Ländern. Die Aufsätze be­leuchten das Thema Verfolgung aus den Perspektiven der Bibelwissenschaft, der Kir­chengeschichte, der Systematischen und der Praktischen Theologie, der Missionswis­senschaft sowie der Rechtswissenschaft und bieten, wie die Herausgeber es be­schreiben, „eine reichhaltige Auswahl an überwiegend originären Forschungsergeb­nissen“.

Die Herausgeber betrachten Verfolgung nicht nur als eine gesellschaftspolitische Herausforderung, sondern als eine zutiefst spirituelle und kirchliche Realität, die die christliche Identität und Mission über Jahrhunderte hinweg geprägt hat. „Theologie und Mission entwickeln sich nicht in einem Vakuum – sie werden in den ge­lebten Erfahrungen der Gläubigen ge­schmiedet, einschließlich derer, die für ihren Glauben leiden“, heißt es in der Einleitung des Buches. Die Sammlung richtet sich an Studierende, Pastoren, Missionare und Wissenschaftler, die sich differenziert mit Verfolgung sowohl im historischen als auch im zeitgenös­sischen Kontext auseinandersetzen möchten.

Der Band ist ein direktes Ergebnis des Forschungsprojekts „Religious Free­dom and Religious Persecution“, das 2019 vom Fjellhaug International Uni­versity College ins Leben gerufen wur­de. Die Initiative sollte die interdiszipli­näre Zusammenarbeit zwischen Theo­logen, Missiologen und verwandten Fachleuten fördern. Im Rahmen des Projekts fanden in den Jahren 2021, 2023 und 2025 drei Forschungssym­posien statt, die als Hauptquelle für viele Kapitel des Buches dienten.

Im einleitenden Abschnitt über Definitionen geben der deutsche Experte für Ver­folgungsforschung Sauer und der südafrikanische Rechtswissenschaftler Werner Nel einen umfassenden Überblick darüber, wie Verfolgung in rechtlichen, soziologischen und theologischen Kontexten definiert wird. Sie plädieren für einen reflektierten und präzisen Gebrauch der Terminologie und stellen neben den von NGOs und christ­lichen Organisationen verwendeten Skalen und Spektren ihre eigene soziologische Definition vor.

Zu den Beiträgen aus dem Bereich der Bibelwissenschaft gehören die Untersuchung des norwegischen Alttestamentlers Håkon Sunde Pedersen zu Eifer und Gewalt in den Figuren von Pinehas, Elia und Jehu sowie die Untersuchung des belgischen Wissenschaftlers Geert W. Lorein zum Widerstand der Makkabäer gegen Antiochus IV. Epiphanes. Der deutsch-schweizerische Wissenschaftler Daniel Röthlisberger ana­lysiert die Sprache des Neuen Testaments in Bezug auf Verfolgung, während der deutsche Neutestamentler Christoph Stenschke Muster sowohl von Konflikt als auch von Zusammenarbeit in der Apostelgeschichte identifiziert. Der norwegische Wissen­schaftler Håkon Leite untersucht die Sicht des Paulus auf das Leiden in den Pastoral­briefen und hinterfragt Lesarten, die dessen eschatologische Bedeutung kleinreden.

Zu den Studien aus dem Bereich der historischen und systematischen Theologie gehören der Überblick des deutschen Kirchenhistorikers Klaus Wetzel über christliche Reaktionen auf Verfolgung von der Antike bis zum Pietismus, der Bericht des dänischen Wissenschaft­lers Finn Aa. Rønne über Reformbewegungen inner­halb der Äthiopisch-Ortho­doxen Tewahedo-Kirche sowie Sauers Überblick über die Rezeption der Bad Uracher Erklärung von 2009 zu Leiden und Martyrium. Die im Iran geborene Wissen­schaftle­rin Sara Afshari entwickelt eine Theologie der Verfol­gung unter Ver­wendung der Metapher des Kar­samstags, wäh­rend die tschechischen Wissen­schaftlerinnen Věra Miláčková und Kamila Veverková theologische Gründe für die Flucht vor Verfolgung untersuchen.

Beiträge zur praktischen Theologie befassen sich mit Seelsorge und Ge­meindedynamik in Kontex­ten der Verfolgung. Der dänische Wissenschaftler Henrik Nymann Eriksen skizziert die seelsorgerischen, be­gleitenden und prophetischen Rollen von Geistlichen, die christliche Konvertiten unter­stützen, denen die Rückführung in mehrheitlich muslimische Länder droht. Lilleaasen steuert eine Studie über „mutige Nachfolge“ in bedrängten Kirchen bei, während die norwegische Wissenschaftlerin Tonje Belibi analysiert, wie norwegische Sonntags­schullehrpläne Verfolgung darstellen. Knut Kåre Kirkholm untersucht, wie lutherische Prediger in Norwegen das Thema von der Kanzel aus behandeln.

Kapitel zu Missionswissenschaft und Religionswissenschaft untersuchen, wie Verfol­gung mit Bekehrung, Kontextualisierung und interreligiösen Dynamiken zusammen­hängt. Der deutsche Wissenschaftler Joel Hofer untersucht den Zusammenhang zwischen Bekehrung zum Christentum und Verfolgung, Meiken Buchholz erörtert die „Sinisierung“ der Religion in China, der norwegische Wissenschaftler Frank Ole Thoresen beleuchtet Erfahrungen von Toleranz gegenüber Minderheiten in Tunesien und der amerikanische Wissenschaftler James Bultema analysiert die Wahrnehmung der türkischen protestantischen Bewegung.

Symposium „Religious Persecution“ am Fjellhaug International University College in Oslo © IIRF

Im abschließenden Abschnitt zur angewandten Theologie reflektiert Afshari kritisch darüber, wie christliche Gemeinschaften Verfolgung darstellen, und warnt davor, sie auf einen emotionalen Appell zu reduzieren. Duane A. Miller, ein amerikanischer Missiologe und anglikanischer Priester, bietet eine theologische und pastorale Lesart des Buches Hiob als Res­source für verfolgte Gläu­bige an.

Die Herausgeber weisen darauf hin, dass die the­matische Struktur des Bu­ches von konzeptionellen Grundlagen zur ange­wandten Theologie über­geht, mit dem Ziel, eine Brücke zwischen akademi­scher Forschung und praktischem Dienst zu schlagen. „Unsere Motiva­tion wurde von dem Wunsch geprägt, theolo­gische und missiologische Perspektiven anzubieten, die die Realität der Verfolgung ansprechen“, schreiben Lilleaasen und Sauer in ihrem Vorwort. „Letztendlich ist dieses Buch geschrieben, um Christen zu dienen, die wegen ihres Glaubens bedrängt werden. Wir hoffen, dass es inspiriert, ermutigt und stärkt.“

Die Reihe „Christians under Pressure“ startete mit „Fruitful Minorities“ (2018), heraus­gegeben von Bernhard Reitsma, über christliches Zeugnis im islamischen Kontext, gefolgt von „Overcomers“ (2021) von Kay Bascom über Gottes Befreiung durch die äthiopische Revolution.

Redakteure, Autoren und der Verleger bei der Buchvorstellung © IIRF

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