(Bonn, 18.05.2026) Das Buch „Religionsfreiheit in Zeiten des globalen Wandels“, versammelt Analysen zu den normativen Grundlagen, globalen Realitäten und den aktuellen Herausforderungen für die Religionsfreiheit. Basierend auf einem Symposium an der Freien Theologischen Hochschule (FTH) in Gießen im Jahr 2025, bietet das Werk eine Mischung aus akademischer Forschung, praxisorientierten Ansätzen und persönlichen Reflexionen.
Bereits die drei Herausgeber des Bandes spiegeln diese Mischung und Bandbreite sehr gut wieder:
- Prof. Volker Kauder ist Honorarprofessor für Politische Ethik und Religionsfreiheit an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen und war von 2005 bis 2018 als Parlamentarischer Geschäftsführer bzw. Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion tätig und engagierte sich in diesem Amt stark für globale Religionsfreiheit.
- Prof. Dr. Dennis P. Petri ist Direktor des Internationalen Institut für Religionsfreiheit (IIRF) und forscht als niederländisch-costa-ricanischer Politikwissenschaftler und Professor für Internationale Beziehungen an der Latin American University of Science and Technology in Costa Rica zu Religionsfreiheit, Demokratie und Politik in Lateinamerika.
- Dr. Carsten Polanz ist Dozent für Islamwissenschaft an der Freien Theologischen Hochschule Gießen und als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Internationalen Institut für Religionsfreiheit, wo er innermuslimische Debatten zu Säkularität und Religionsfreiheit erforscht.
Im folgenden finden sich die Autoren und ihre Beiträge und Thesen aufgeteilt in die drei Rubriken des Buches.
Akademischer Diskurs
- Dennis P. Petri untersucht die Stärken und Schwächen vorhandener Messinstrumente für Religionsfreiheit, wobei er besonders auf „versteckte“ Verstöße eingeht und Konzepte der menschlichen Sicherheit als Ergänzung vorschlägt.
- Christof Sauer und Werner N. Nel analysieren die begriffliche Vielfalt von „Verfolgung“, wobei sie den Unterschied zwischen juristischen, soziologischen und theologischen Perspektiven beleuchten, um eine inflationäre oder reduktionistische Nutzung zu vermeiden.
- Christoph Raedel kritisiert den Einfluss der Identitätspolitik, die durch das Aufteilen der Gesellschaft in Täter- und Opfergruppen Spannungen erzeuge und die Religionsfreiheit durch Antidiskriminierungsgesetze unter Druck setze.
- Janet Epp Buckingham beleuchtet den „Big Chill“, bei dem säkulare Staaten – am Beispiel Kanadas und Europas – Religion im Namen staatlicher Neutralität zunehmend in die Privatsphäre drängen.
- Carsten Polanz erforscht die Rolle der Religionsfreiheit im öffentlichen Raum durch die Linse innermuslimischer Diskurse, in denen liberale Ansätze auf traditionelle Machtansprüche der Moscheedachverbände treffen.
- Christine Schirrmacher thematisiert die Debatte über Glaubensfreiheit in islamisch geprägten Gesellschaften, wo Zweifel am Islam oft als staatsgefährdend gewertet werden, was den Religionswechsel massiv erschwert.
- Meiken Buchholz zeigt auf, wie das Ideal des Patriotismus in China genutzt wird, um christliche Gewissensentscheidungen zu beeinflussen und Gläubige in Identitätskonflikte zwischen Staatstreue und Glauben zu führen.
Transfer in die Praxis
- Thomas Müller analysiert die Lage indischer Christen unter der BJP-Regierung, wo Hindutva-Ideologie, Hetze und strenge Anti-Konversionsgesetze den Druck auf religiöse Minderheiten stetig erhöhen.
- Ronald MacMillan stellt ein siebenstufiges Modell vor, um „schleichende“ Verfolgung frühzeitig zu erkennen, und demonstriert dessen Anwendung am Beispiel christlicher Stammesgruppen in Indien.
- Anna E. Hampton entwickelt eine „Theologie des Risikos“, die Gläubigen in repressiven Umgebungen helfen soll, strategische und verantwortungsvolle Entscheidungen zwischen Leidensbereitschaft und notwendiger Klugheit zu treffen.
Persönliche Reflexion
- Heiner Bielefeldt und sein Interviewer David Giesbrecht diskutieren in einem Interview die Religionsfreiheit als konstitutiven Bestandteil der Menschenrechte und warnen vor der Instrumentalisierung von Menschenrechten als ideologische Waffe.
- Thomas Schirrmacher und sein Interviewer Carsten Polanz setzen sich mit dem Antisemitismus auseinander, dessen Wurzeln sie in der Antike, religiösen Traditionen und modernen extremistischen Ideologien verorten und den sie als einzige Gemeinsamkeit einer langen christlichen, einer langen islamischen und einer langen säkularen Tradition sehen, die heute zusammenfließen.
- Stephan Holthaus reflektiert über die christliche Leidensbereitschaft und beklagt eine verbreitete Leidensscheu der Christen in den westlichen Wohlstandsgesellschaften, die das biblische Verständnis der Nachfolge Jesu aus dem Blick verliere.
Bibliografische Angaben
- Volker Kauder, Dennis P. Petri, Carsten Polanz (Hrsg.). Religionsfreiheit in Zeiten des globalen Wandels/Religious Freedom in a Changing World. Normative Grundlagen, globale Realitäten und aufkommende Herausforderungen. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2026. 300 S. ISBN 978-3-374-08047-2, ISBN E-Book 978-3-374-08048-9. 39 Euro.
Downloads und Links
- Foto 1: Buchcover
- Foto 2: Volker Kauder © Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung
- BQ 839 – 19/2025 „Kritik an der Verschränkung von Machtpolitik und Religion in islamisch geprägten Ländern – Die Bonner Professorin Christine Schirrmacher referierte auf dem Religionsfreiheitskongress in Gießen“: https://bonner-querschnitte.de/?p=8419
- BQ 837 – 17/2025 „Ein Aufruf zum gemeinsamen Einsatz für Religionsfreiheit – Erstes Symposium zur Religionsfreiheit an der FTH“: https://bonner-querschnitte.de/?p=8357
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