Christine Schirrmacher spricht auf der Konferenz Quo Vadis Middle East des Institute for International Cooperation, Technological Diplomacy and Communication
(Bonn, 22.06.2026) Die Konferenz „Quo Vadis Middle East: Working on a post-war scenario #5“ brachte im Bonner Universitätsforum zum fünften Mal führende Akteure aus Politik und Diplomatie, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um gemeinsam nachhaltige Nachkriegsvisionen für die Region zu diskutieren und Wege zu regionaler Stabilität und langfristigem Frieden aufzuzeigen.
Christine Schirrmacher, Professorin für Islamwissenschaft an der Universität Bonn, sprach in ihrer Keynote über die Suche nach einem tragfähigen politischen Modell im Nahen Osten, die sie als zentrale Herausforderung für den nachhaltigen Aufbau von Stabilität in nahöstlichen Gesellschaften bezeichnete. Schon die Arabischen Revolutionen in der MENA-Region ab 2011 und die damals von Millionen Protestierenden geforderten politischen Reformen hätten die dringliche Suche nach einem tragfähigen politischen Modell und einer von einer Mehrheit akzeptierten Regierungsform gezeigt. Da die Protestierenden von Marokko bis zum Arabischen Golf damals einerseits vermehrte Freiheitsrechte gefordert hatten, gleichzeitig eine Mehrheit aber auch eine säkulare Staatlichkeit ablehnte und ein schariarechtlich bestimmtes Rechts- und Gemeinwesen befürwortete, boten westliche Demokratie-Modelle keine Alternative. Als weiteren Faktor für den Aufbau von Stabilität, Chancengerechtigkeit und gesellschaftlicher Versöhnung bezeichnete Christine Schirrmacher die Erweiterung von Frauenrechten in der Region. Da das Ehe-, Erb- und Scheidungsrecht aller arabischen Länder am Schariarecht ausgerichtet ist, sehen sich Frauen mit ihren Forderungen nach vermehrten Rechten hohen Hürden gegenüber.
Die Konferenzreihe „Quo Vadis Middle East?“ ist eine seit 2023 bestehende Initiative des Institute for International Cooperation and Technological Diplomacy (ICI) in Aachen in Kooperation mit dem Bonner Zentrum für Versöhnungsforschung (BZV) und dem Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS) der Universität Bonn. Die Reihe wurde unmittelbar nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ins Leben gerufen, um zentrale Akteure aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft der Region zu einem fruchtbaren Dialog zusammenzubringen mit dem Ziel, nachhaltige Nachkriegs-Szenarien, Friedens- und Versöhnungsstrategien sowie regionale Kooperationen zu entwickeln. Dafür werden soziale, psychologische und wirtschaftliche Folgen der bestehenden Konflikte analysiert, die Rolle westlicher Mächte reflektiert und Chancen einer zukünftigen Stabilität identifiziert.

Das Institute for International Cooperation, Technological Diplomacy and Communication in Aachen widmet sich der Vernetzung von Wissenschaft, Politik und Praxis, um Themen wie technologische Innovationen, Konflikte und Fragen der Stabilität zu analysieren, insbesondere im Nahen Osten, Afrika, Asien und Europa. Es arbeitet eng mit der Universität Bonn, Deutschlands erfolgreichster Exzellenzuniversität, der RWTH Aachen und weiteren Partnern zusammen.
Das Bonner Zentrum für Versöhnungsforschung an der Universität Bonn ist ein interdisziplinäres Forschungsnetzwerk, das über 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Disziplinen wie Soziologie, Kulturanthropologie, Geschichte, Theologie, Philologie, Philosophie, Literatur-, Medien-, Rechts- und Politikwissenschaft versammelt, um Versöhnungsprozesse empirisch und theoretisch zu analysieren, insbesondere angesichts aktueller Herausforderungen wie Covid-19, Klimawandel, Populismus und Ukraine-Krieg. Organisatorisch ist es in der Philosophischen Fakultät verankert. Es wird von dem Soziologen Prof. Dr. Hans-Georg Soeffner als Sprecher geleitet, während die Argentinierin Jun.-Prof. Dr. Rosario Figari Layus als Juniorprofessorin für Versöhnungsforschung die Geschäftsführung inne hat.
Downloads und Links
- Foto 1 und Foto 2: Christine Schirrmacher bei ihrem Vortrag auf der ICI Konferenz in Bonn © Benjamin Westhoff
- Foto 3: Quo Vadis Middle East © IIRF/Thomas Schirrmacher
- Foto 4: Christine Schirrmacher im Gespräch mit dem Botschafter von Bahrain H. E. Ahmed Ebrahim A. Rahman Alqarainees © Benjamin Westhoff
- Internetseite des Institute for International Cooperation, Technological Diplomacy and Communication: https://ici-institute.de
- Beitrag des ICI zur Veranstaltung „Working on a post-war scenario“: https://ici-institute.de/veranstaltungen/working-on-a-post-war-scenario-5
- Bericht des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen: https://kulturwissenschaften.de/?p=9646