Laudatio für Siegfried Fietz zum 80. Geburtstag von Thomas Schirrmacher
(Bonn, 27.05.2026) Am 25. Mai 2026 wurde der Liedermacher Siegfried Fietz 80 Jahre alt. Aus diesem Anlass geben wir im Folgenden eine Laudatio von Thomas Paul Schirrmacher wieder.
Laudatio für Siegfried Fietz
Lieber Siegfried, es ist noch nicht lange her, da haben Du und Dein Sohn Oliver meine Feier zum 65. Geburtstag mit Deinen Liedern gesegnet – sowohl im offiziellen Teil im Dom von Mönchengladbach-Rheydt als auch bei der anschließenden Feier mit Gästen aus aller Welt.
Da ich in Gießen in der Nähe Deines Wirkungsortes aufgewachsen bin, hörte ich dich sehr früh live. Ich kann nicht garantieren, alle Deine 4200 Melodien gehört zu haben, aber ich denke den größeren Teil. Ich habe sie in meinem Musikprogramm jederzeit griffbereit. Dazu gehören Dutzende von Ohrwürmern, die mir abwechselnd durch den Kopf gehen und biblische und geistliche Wahrheiten emotional bei mir festsetzen.
Früher Höhepunkt war die Aufführung des David-Oratoriums auf St. Chrischona in der Schweiz mit der unvergesslichen Leier. Da ich einen Hang zu Depression habe, vor allem angesichts des vielen Leids, dass täglich als Menschenrechtler auf mich einstürzt, ist ein Lied aus diesem Oratorium eines meiner wichtigsten Begleiter. Kürzlich wachte ich mit dem Traum auf, ich hätte eins meiner Lieblingslieder „Beugt dich die Trauer fast zu Boden“ in der Kirche von Taizé vorgetragen. Nachdem ich anschließend die Originalversion aus „David“ gehört hatte, suchte ich, ob es nicht eine weitere Version davon gibt und fand bei Youtube eine sehr schöne Version von Deinem Sohn Oliver (https://youtube.com/watch?v=RHLd2zR7saU, ab Minute 13). Herzlichen Dank!
Meine Kinder haben Deine Kindermusicals rauf und runter gehört. Deswegen kenne ich den Text nicht nur Deiner großen Oratorien wie David, Petrus, Paulus I+II auswendig, sondern auch „So ein flotter kleiner Otter“, „Maximilian Maulwurf“, „Wo wohnt die kleine Maus“, „Der kleine Spatz“ und viele mehr. Jetzt sind die Enkelkinder damit dran.

Höhepunkt war dann sicher, dass Du und Oliver meine Kranzniederlegung in Yad Vashem in Jerusalem mit „Von unsichtbaren Mächten wunderbar geborgen“ in Deutsch, Englisch und Hebräisch begleitet habt – das erste und bis heute einzige Mal, dass in Yad Vashem etwas auf Deutsch vorgetragen werden durfte. Anschließend waren wir mit religiösen Führern des Judentums aus aller Welt beim Staatspräsidenten von Israel und die jüdischen Führer baten euch beide ausdrücklich, das Lied noch einmal für sie vorzutragen. Du sagtest damals zur Presse:
„Die Reise war ein bewegender Moment für mich, einer meiner Höhepunkte im Leben. Hitler und seine Schergen haben Fürchterliches getan und vor 80 Jahren auf der Wannseekonferenz die Ausrottung der Juden beschlossen. Es freut ich dass ich 80 Jahre danach mit meinen Liedern etwas zur Versöhnung beitragen konnte.“
Lieber Siegfried, heute ist ein großer Tag – ein Tag des Dankes, der Freude und der Bewunderung. Du blickst auf 80 Jahre Leben zurück, und was für ein reiches, bewegtes und segensreiches Leben das ist. Wer Dein Werk betrachtet, sieht nicht nur ein beeindruckendes künstlerisches Lebenswerk, sondern ein Glaubenszeugnis in Musik, Wort und Tat.
Du bist ein Künstler, der Spuren hinterlassen hat – tief, weit und bleibend. Mit Deiner Musik willst Du Menschen dazu einladen, sich für Gott zu interessieren. Und genau das ist Dir in außergewöhnlicher Weise gelungen. Deine Lieder haben Generationen begleitet, getröstet, ermutigt und im Glauben gestärkt. Du hast die Gottesbotschaft in zeitgemäßer Weise unter die Leute gebracht – und zwar mit einer Glaubwürdigkeit, die man nicht lernen kann, sondern nur leben.
Weltweit bekannt wurde Deine Vertonung von Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Dieses Lied wird heute in 14 Sprachen gesungen und in 179 Ländern auf der Welt. Es wurde 2021 bei einem Wettbewerb der Evangelischen Kirche in Deutschland zum beliebtesten Kirchenlied gewählt, noch vor „Großer Gott wir loben Dich“. Im Internet wurde es 15 Millionen Mal heruntergeladen. Das sind keine bloßen Zahlen – das ist ein globales Echo Deiner Musik, ein Zeichen dafür, wie tief Deine Botschaft Menschen berührt.
Als ich die Staatspräsidentin eines asiatischen Landes besuchte, wurde mir zum Empfang auf großer Leinwand Dein Video „Von guten Mächten …“ vorgespielt, wo Du am weißen Flügel das Lied von Dietrich Bonhoeffer singst. Sie sagten, dass sei ein Höhepunkt „deutscher“ Musik wie Beethoven und Wagner.
Dein Schaffen insgesamt ist schlicht beeindruckend: Du hast nach Deiner eigenen Zählung 4200 Melodien geschrieben. Dazu kommen 350 Plattenproduktionen, davon mehr als 200 mit Deinen eigenen Kompositionen. Außerdem sind 100 Kinderproduktionen mit Deinen Werken entstanden, und etwa 70 Alben waren gemeinsame Projekte mit anderen Künstlern. Diese Zahlen zeigen nicht nur Fleiß, sondern eine erstaunliche schöpferische Kraft, Treue und Ausdauer über Jahrzehnte hinweg.
Dein Wirken war dabei immer mehr als Musik allein. Du warst und bist ökumenisch unterwegs – offen, zugewandt und verbindend. Dass Deine Lieder auch beim 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg 2026 – wie bei allen evangelischen und katholischen Kirchentagen – gefragt waren, zeigt, wie sehr Deine Musik konfessionelle Grenzen überschreitet. Dein Konzert über Bartimäus war so gut besucht, dass viele Leute draußen stehen mussten. Deine Musik zieht Menschen an, weil sie etwas Echtes, Hoffnungsvolles und Tragfähiges in sich trägt.

Auch international hast Du beeindruckende Projekte verwirklicht. Mit Ivan Rebroff, Coretta Scott King, elf Musical-Künstlern vom Broadway, dem Hilfswerk World Vision, dem Astronauten James Irwin und dem Royal Philharmonic Orchestra hast Du Produktionen geschaffen, die in ihrer Vielfalt und Weite außergewöhnlich sind. Dabei stand für Dich nie der finanzielle Erfolg im Vordergrund, sondern der Segen Gottes. Und genau das spürt man Deinem ganzen Lebenswerk an: Es ist getragen von Dankbarkeit, Glauben und innerer Weite. Eigentlich müsste ich jetzt noch auf alle die Dichter und Textautoren eingehen, mit denen Du zusammen die Lieder und Oratorien entwickelt hast, darunter „hidden champions“ ebenso wie klangvolle Namen. Bei der enormen Themenbreite der Texte und Themen ist erstaunlich, wie Musik und Inhalt immer wieder neu emotional zusammen passen.
Nochmal zu anderen Künstlern: Als ich 1986 erstmals Ivan Rebroff als Kerkermeister und Heike Barth als Lydia in Oratorium „Paulus II“ hörte, dachte ich, ich höre die echten Personen von vor fast 2000 Jahren singen, wirklich genial ausgesuchte Stimmen und Charaktere, und vielleicht bei beiden mit ihren schönsten gesungenen Lieder.
Und als wäre all das nicht schon genug, hast Du auch noch über 30 Plastiken und Skulpturen geschaffen, die Du in Deinem eigenen Skulpturenpark in Greifenstein-Allendorf ausstellst. Auch hier zeigt sich dasselbe: Du bist ein Gestalter, ein Suchender, ein Künstler, der Menschen anregen will, ins Gespräch zu kommen – über Kunst, über Glauben, über das Leben.
Lieber Siegfried, Du bist ein Mensch, dessen Leben von Kreativität, Glauben, Hingabe und Fruchtbarkeit geprägt ist. Du darfst heute mit Recht dankbar auf ein Werk schauen, das weit über ein normales Künstlerleben hinausgeht. Du hast nicht nur Lieder geschrieben – Du hast Herz und Hoffnung geschenkt. Du hast den Segen Gottes in das Herz und das Leben von Millionen getragen. Du hast nicht nur Konzerte gegeben und Platten produziert – Du hast Menschen aufgerichtet.
Zu Deinem 80. Geburtstag danken wir Dir von Herzen für alles, was Du geschaffen hast, für alles, was Du gegeben hast, und für alles, was durch Dich gewachsen ist. Möge Gott Dich weiter behüten, stärken und begleiten. Und möge Deine Musik auch in den kommenden Jahren weiterklingen – klar, warm, glaubensvoll und voller Hoffnung.
Alles Gute zum 80. Geburtstag, lieber Siegfried!
Downloads und Links
- Foto 1: Siegfried Fietz singt im Dom in Mönchengladbach-Rheydt zum 65. Geburtstag von Thomas Schirrmacher © BQ/Martin Warnecke
- Foto 2: Siegfried und Oliver singen „Von unsichtbaren Mächten“ in Yad Vashem nach der Kranzniederlegung durch Thomas Schirrmacher (ganz rechts) © BQ/Martin Warnecke
- Foto 3: Siegfried und Oliver Fietz (rechts und links) singen im Dom in Mönchengladbach-Rheydt zum 65. Geburtstag von Thomas Schirrmacher, erste Reihe rechts © BQ/Martin Warnecke
- Wikipedia-Eintrag zu Siegfried Fietz: https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_Fietz