(Bonn, 03.06.2026) Die Armenische Kirche in Dhaka, auch Armenische Apostolische Kirche der Heiligen Auferstehung („Armenian Apostolic Church of the Holy Resurrection“) genannt, gehört zu den ältesten christlichen Baudenkmälern Bangladeschs. Sie liegt im Stadtteil Armanitola in der Altstadt von Dhaka, einem ehemaligen armenischen Viertel, das seinen Namen von der dort seit dem 17. Jahrhundert ansässigen armenischen Gemeinde hat. Errichtet wurde die Kirche 1781 auf einem Grundstück, das zuvor als armenischer Friedhof genutzt worden war, und steht heute als stilles Zeugnis einer längst verschwundenen migrantischen Gemeinschaft.

Schirrmacher wurde vor Ort (siehe Fotogalerie: https://thomasschirrmacher.info/?p=25637) vom muslimischen Hausmeister sowie einem armenischen Vertreter des Vorstandes betreut und wurde von zwei deutschen Journalisten für Filmaufnahmen interviewt. Er dankte Frau Sabina Alam, Director General des Department of Archaeology, und dem Kultusminister Nitai Roy Chowdhury, dem das Department of Archaeology untergeordnet ist. Es sei nicht selbstverständlich, dass Sie ein altes Kirchengebäude bewahrten, in der keine regelmäßigen Gottesdienst mehr stattfinden würden und für die sich keine der Kirchen im Land, die etwa 0,4 % der Einwohner ausmachten, zuständig fühle. Ca. 91 % der Einwohner von Bangladesch sind Muslime, ca. 8–9 % Hindus.
Das „Department of Archaeology“ des bangladeschischen Kulturministeriums ist die staatliche Behörde (bengalisch: প্রত্নতত্ত্ব অধিদপ্তর, Pratnottyo Adhiddoptor) für die Erforschung, Erhaltung und rechtliche Regelung archäologischer Stätten und Funde in Bangladesch. Die Behörde arbeitet nach dem Antiquities Act (ursprünglich 1968, mehrfach ergänzt) und unterhält eine Liste von etwas mehr als 500 Stätten in Bangladesch.
Die Kirche wurde von der armenischen Handelsgemeinde in Dhaka, die vor allem in der Baumwoll-, Jute- und Gerberwarenindustrie tätig war, finanziert und errichtet. Der Grund für den Bau lag im Wunsch nach einem eigenen, festen Ort gottesdienstlichen Lebens, der den armenisch-apostolischen Ritus nach dem Vorbild von Etchmiadzin beherbergen sollte. Die Architektur zeigt deutliche koloniale und subkontinentale Einflüsse: Das Gebäude ist rechteckig angelegt, mit hohen Bögen, mehreren Eingängen und zahlreichen Fenstern, die für eine lichtdurchflutete Innenraumatmosphäre sorgen.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche mit einem markanten Turm und einer Uhr versehen, deren Glocke einst weithin zu hören war und als Zeitgeber für die Stadt diente. Beide – Turm und Uhr – wurden jedoch durch das verheerende Erdbeben von 1897 zerstört, eine Episode, die exemplarisch für die wechselvolle Geschichte und die Verletzlichkeit dieses Denkmals steht. In den nächsten Jahrzehnten schrumpfte die armenische Präsenz in Dhaka rapide, bis die Gemeinde im 20. Jahrhundert praktisch verschwunden war.
Trotz des Fehlens einer aktiven armenischen Gemeinde bleibt die Kirche architektonisch und kulturell von großer Bedeutung. Sie befindet sich auf einem großen Grundstück mitsamt einem Friedhof, auf dem zahlreiche armenische Grabsteine und eine Statue von Catachik Avatik Thomas erhalten sind, die als letzte sichtbare Spuren der einst lebendigen Gemeinde gelten. Mittlerweile wird die Anlage als historisches Kulturdenkmal vom Department of Archaeology unter der Aufsicht des bangladeschischen Kulturministeriums betreut und steht Besuchern tagsüber offen.
So ist diese armenische Kirche heute vor allem ein Ort des Erinnerns und der Geschichtsvermittlung. Sie symbolisiert die Vielfalt der religiösen und ethnischen Strömungen in Dhaka und die lange Handels- und Migrationsgeschichte Südasiens, in der armenische Kaufleute als Mittler zwischen Europa, Persien und Bengal fungierten. Für heutige Besucher bietet sie eine ruhige Oase mitten im Trubel der Altstadt, in der sich die Spuren einer fast vergessenen Gemeinschaft noch deutlich ablesen lassen.
Downloads und Links
- Foto 1: Die armenische Kirche in Dhaka Bangladesch © BQ/Martin Warnecke
- Foto 2: Ältester Grabstein des Friedhofs von 1714 © BQ/Martin Warnecke
- Foto 3: Thomas Schirrmacher am Pult der armenischen Kirche in Dhaka Bangladesch © BQ/Martin Warnecke